Letztes Jahr hätte ich nicht gedacht, dass ich mein Schlafzimmer in ein kleines Fotostudio umbaue und anfange Videos auf Youtube und Facebook zu posten. Bis dato war ich eher zurückhaltend in den sozialen Netzwerken und Präsenz vor der Kamera war mir doch etwas unangenehm. Also wie ist es hierzu gekommen?

Nun, Ende 2015 stolperte ich irgendwie über die Website von Udemy, ich glaube es war in dem Zusammenhang, dass ich Informationen über Website-Programmierung suchte. Vielleicht war es aber auch bei der Recherche über Startups.

Udemy’s Entwicklungsgeschichte ist nämlich äußerst interessant. In der Anfangsphase waren kaum Investoren zu finden, die an das Geschäftsmodell glaubten, und jetzt hat diese E-Learning Plattform mittlerweile mehr als 10 Mio. Studenten und über 40 Tausend Kurse im Angebot! Jetzt soll es aber erst einmal darum gehen, was ich mir dabei gedacht habe meine Schlafzimmerwand mit einem Green Screen zu tapezieren und die Fenster abzudunkeln.

Ich durchstöberte also Udemy’s Plattform und schaute mir an, was so im Angebot war. Natürlich suchte ich nach Schlagworten, die mich interessierten oder mit denen ich irgendwie zu tun hatte. Zu den Themen Programmierung, Website Design, WordPress, SEO etc. fanden sich unzählige Kurse, sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch. Ich schaute mir auch die ein oder andere Vorschau an aus den Bereichen Sport, Projektmanagement, Fitness und was es sonst noch so gab. Die Länge der angebotenen Kurse schwankte zwischen 30 Minuten und 40! Stunden und die Preise lagen zwischen 10 € und 300 €. Interessant fand ich vor allem die Zahl der eingeschriebenen Kursteilnehmer, also der Kunden die den Kurs entweder gekauft oder über Gutscheincodes erworben hatten. Mir schwante, dass sich mit E-Learning-Kursen ein nettes Sümmchen Geld verdienen lies. Also recherchierte ich weiter und fand die Details zur Umsatzaufteilung in Udemy’s Umsatzbeteiligung für Dozenten.

Kleiner Exkurs zu Udemy’s Umsatz- und Preispolitik: Wählt der Dozent die Marketingkooperation mit Udemy, so werden die Einnahmen 50-50 aufgeteilt. Vermarktet der Dozenten seine Kurse alleine, so erhält er 100% der Einnahmen und muss lediglich eine Gebühr von 3% an die Plattform entrichten. Anscheinend wurden aber in der Vergangenheit die meisten Kurse wohl nur mit erheblichen Rabatten aus den Marketingaktionen verkauft. Auch ich kaufte mir einen Webentwicklerkurs für schlappe 10 % des ursprünglichen Preises. Udemy hat jedenfalls seine Preispolitik am 1. April 2016 geändert, so dass die Kurse jetzt alle zwischen 20 und 50 € liegen und maximal 50 % Preisnachlass gegeben werden darf. Das Thema wurde und wird in den Dozentenforen natürlich heiß diskutiert und die Kurslandschaft mag sich dementsprechend verändern.

Über die Wochen und Monate schaute ich immer mal wieder bei Udemy rein, insbesondere zum Thema Projektmanagement, weil ich ja selber Projektmanager war und bin. Einige der englischen Kurse entsprachen nicht wirklich meinem Qualitätsanspruch (nett ausgedrückt) und deutsche Projektmanagementkurse suchte ich vergeblich. Ich erwischte mich dabei wie ich die Umsatzzahlen der beliebten Kurse hochrechnete und konnte mir nur an den Kopf fassen. Das musste ich auch probieren! Die Alternative wäre gewesen alle paar Monate auf Udemy zu gehen und vor Frustration nicht schlafen zu können, weil da wieder jemand mit einem mäßigen Kurs tausende von Teilnehmern erreicht hat. Ich entschloss mich also einen englischen Kurs darüber zu machen, wie man sich für die PMP-Zertifizierung qualifiziert, anmeldet und vorbereitet. Nach diesem Einsteigerkurs wollte ich dann weiterschauen. Seitdem hat sich einiges getan.

Im Frühjahr 2016 baute ich ein paar Lektionen in Power Point, machte die ersten Aufnahmen mit meinem Smartphone und einem Ansteckmikrophon und arbeitete mich in die Testversion von Camtasia Studio ein. Als Beleuchtung mussten anfangs noch Tageslicht und Baustrahler reichen. Ich schaffte es bis zur Einsendung meines ersten Testvideos, welches dann von Udemy hinsichtlich Video- und Audioqualität überprüft wurde. Dann ließ ich das Thema aber ein paar Monate liegen. Die Produktion von Schulungsvideos in guter Qualität war ziemlich aufwändig und zeitraubend und mir kamen Zweifel ob es überhaupt das Richtige für mich war. Hatte ich nicht andere Prioritäten? Wollte ich mich nicht auf den Aufbau eines Startups konzentrieren? Nach einer Pause, in der ich mich meinen anderen Projekten widmete, stellte ich Mitte 2016 etwas frustriert fest, dass einige der fragwürdigen englischen Projektmanagementkurse verschwunden und neue gute hinzugekommen waren. Also Aufgeben und ewig die Frage „was wäre gewesen wenn …“ im Kopf haben? Nein, ich hatte es angefangen und wollte es auch zu Ende bringen. Da kam es mir gelegen, dass Udemy die sogenannten Sommerspiele startete, um neue Dozenten für den deutschsprachigen Raum zu akquirieren und das Kursangebot auszubauen.

Also startete ich im Mai 2016 einen zweiten Anlauf und meldete mich mit dem Kurs „PMP Zertifizierung – Anmeldung, Vorbereitung, Prüfung“ für die Spiele an. Wöchentlich mussten dann ein bis zwei Aufgaben erledigt werden, die letztendlich zu einem fertigen Kurs führen sollten. Bis kurz vor Schluss war ich auch noch im Rennen für den Marketing-Gutschein im Wert von 500 €, der am Ende unter den Dozenten mit voller Punktzahl verlost wurde. Die Abgabefrist für den kompletten Kurs konnte ich allerdings nicht mehr halten, weil meine Produktion extrem aufwändig ist:

  1. Inhaltliche Recherche
  2. PPT-Präsentation erstellen
  3. Skript schreiben
  4. Skript einstudieren
  5. Probeaufnahmen
  6. Beleuchtung und Green Screen optimieren
  7. Finale Aufnahmen (ohne Fehler!)
  8. Aufnahmen schneiden
  9. Green Screen – Effekt umsetzen
  10. Präsentation animieren
  11. Präsentation und Videoaufnahmen synchronisieren
  12. Übergänge und Effekte einarbeiten
  13. Audiobearbeitung
  14. Finaler Schnitt

Vielleicht wird aber auch genau das, die Qualität meiner Videokurse, mein Wettbewerbsvorteil sein. Viel wichtiger als der Gutschein waren jedenfalls die wertvollen Tipps von Udemy, das Feedback der anderen Dozenten, sowie die Motivation, die durch die Spiele entstanden ist. Ich habe unheimlich viel gelernt. So habe ich mich anfangs mit Camtasia und Power Point beschäftigt, dann mit Audacity zur Optimierung der Tonaufnahmen und aktuell verbessere ich meine Vortragsweise, insbesondere Stimme, Gestik und Mimik. Außerdem habe ich mir einen neuen Green Screen sowie diverse Stative und Leuchten bestellt und freue mich darauf diese bald auszuprobieren. Das Ziel ist den ersten Kurs im Juli 2016 fertigzustellen.  

Mit der Erstellung eines einzelnen Kurses ist es dann aber nicht getan, wenn ich den erfahreneren Dozenten glauben darf, und das tue ich. Um die Kurse unter die Leute zu bringen, ist eine Strategie notwendig, Marketingkanäle müssen identifiziert und beackert werden und weitere Kurse müssen erstellt werden. Ein One-Hit-Wonder zu landen ist recht unwahrscheinlich. Wo die Reise hingehen soll, das siehst du in meiner mit Free Mind erstellten Mind Map.

Mind Map E-Learning-Kurse Projektmanagement
Mind Map E-Learning-Kurse Projektmanagement

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