Wie ist es ein Startup aufzubauen? Welche Herausforderungen sind zu meistern? Und wie wird BESPACED das Leben und Arbeiten in den Metropolen Europas verändern? Das erfährst du in diesem Interview mit Tatiana, der Gründerin von BESPACED.

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Hallo Tatiana, wir haben uns Anfang des Jahres im Startplatz Düsseldorf kennengelernt und seitdem Kontakt gehalten. Ich freue mich sehr, dich nach einigen Monaten wieder zu sehen. Magst du dich kurz vorstellen?

Mein Name ist Tatiana Chapovalova, ich bin 39 Jahre alt, promovierte Betriebswirtin und Wirtschaftsingenieurin und ich wohne seit sechs Jahren in meiner Wahlheimat Düsseldorf. Vorher bin ich viel rumgekommen: Münster, Stuttgart, Mannheim, Steyr – hier habe ich studiert, promoviert und gearbeitet.

Hobbies: Ich liebe die Stadt und das Leben in der Stadt. Ich bin ein Urbanist durch und durch und entwickle leidenschaftlich digitale Produkte, die das Leben in der Stadt einfacher machen.

Für die Seele: Musik und Tanz. Das schafft mir einen gewissen Ausgleich. Ich liebe französische Chansons, aber auch elektronische Musik. Ich habe mein Leben lang getanzt, unter anderem Standardtänze, Jazz Dance und Salsa. Wenn Musik läuft, muss ich immer direkt loslegen.

Mein Lieblingsgericht: Ich bin Pesco Vegetarier und bevorzuge eine leichte und gesunde Küche. Mit einem Fischgericht kann man mich verführen, zum Beispiel mit einer gegrillten Dorade – mmmmhh- da würde ich nie nein sagen.

Was machst du gerade beruflich? Wie lange bist du schon dabei und wie hat alles angefangen?

Ich bin Gründerin von BESPACED und baue seit Anfang 2016 zusammen mit meinem Team das Unternehmen auf. Genau vor einem Jahr war das nur eine Idee. Im Rahmen der Ausschreibung der Startup Europe Initiative bin ich nach Athen geflogen und habe die Idee einer Online-Plattform für Kurzzeit-Locations der europäischen Kommission vorgestellt. Die Jury fand es super spannend, und ich bekam zwei Monate Zeit, um zu beweisen, dass es eine großartige Idee ist und es funktioniert. Das Ganze lief im Rahmen eines Startup Wettbewerbs EUXCEL. Die Voraussetzung für die Teilnahme war der Start gleichzeitig in mindestens drei Ländern, was letztendlich dazu führte, dass BESPACED zurzeit in Deutschland, Dänemark und den Niederlanden aktiv ist. In zwei Monaten waren der erste Prototyp sowie der erste Proof of Concept fertig. Damit hat BESPACED in Athen den 1. Platz unter 250 internationalen Projekten belegt.

Was bietet BESPACED an?

BESPACED ist ein Online-Marktplatz für Kurzzeit-Locations für Kurse, Workshops, Meetings und soziale Events. BESPACED steht für lokal, individuell und flexibel.

Es funktioniert wie AirBnB für gewerbliche Objekte. Auf der einen Seite arbeiten wir mit ungewöhnlichen Location-Anbietern wie Galerien, Showrooms, Concept Stores, Cafés oder Restaurants zusammen, die freie Raumkapazitäten haben und diese temporär anderen für Gruppenveranstaltungen anbieten können. Auch wenn ein Meetingraum, ein Showroom oder ein Yoga-Studio nur ein paar Stunden am Tag oder in der Woche zur Verfügung stehen, ist es wahrscheinlich, dass genau für diesen Zeitraum eine Location mit der gleichen Ausstattung gesucht wird. Über unsere Plattform werden die Locations schnell zu finden und in Echtzeit buchbar sein. Mit BESPACED lassen die Gastgeber einfach ihre Fläche für sich arbeiten und erweitern permanent das eigene Netzwerk.

Auf der anderen Seite sind Unternehmen jeglicher Größe, Agenturen und Freelancer, die auf der Suche nach solchen kurzzeitig- und kurzfristig buchbaren, bezahlbaren und interessanten Locations sind. Das kann zum Beispiel für Workshops, Offsite-Meetings, Kurse oder andere Businessevents sein. Projektgruppen, die einen Tapetenwechsel brauchen, finden bei uns was sie suchen. Wir decken mit den angebotenen Räumlichkeiten eine Bandbreite von 2 – 150 Personen ab.

Was ist eure Vision?

BESPACED lebt das Thema Sharing Economy in Smart City. Unsere Vision: anders arbeiten, anders leben, anders treffen in der Stadt. Was uns bewegt, ist die Steigerung der Effizienz der urbanen Raumnutzung und die Förderung des Austausches zwischen den Akteuren in einer Stadt. BESPACED öffnet alle Türen und zeigt die schönsten Plätze in den europäischen Metropolen.

Was hebt euch von der Konkurrenz ab? Worin seid ihr top und was ist euer Erfolgsmodell?

BESPACED ist ein cooles und innovatives Unternehmen. Cool, weil wir coole Locations haben, die man nirgends sonst findet. Wir warten nicht auf unsere Gastgeber, sondern arbeiten proaktiv, suchen spannende Locations durch Empfehlungen, Blogger und -Zeitschriften und akquirieren sie.

Innovativ, weil wir uns immer in die Lage des Kunden versetzen und permanent Services kreieren, die das Leben unserer Kunden vereinfachen. Zum Beispiel arbeiten wir zurzeit in Kooperation mit einem anderen Startup an einer technischen Lösung für die schlüsselfreie Raumübergabe. Hierdurch werden Nutzer von BESPACED die Möglichkeit haben, die Tür der gebuchten Location mit einem Smartphone und mit dem digital generierten Zahlencode zu öffnen.

Wie kam es dazu, dass du ein Startup gegründet hast? Warum hast du dich für diesen Weg entschieden?

Ich habe im Bereich Entrepreneurship meinen MBA gemacht und in diesem Bereich promoviert. Vor der Gründung von BESPACED war ich bei einer großen Unternehmensberatung tätig und habe für deren Kunden strategische Konzepte entwickelt und Prozesse optimiert. Das hat mir unglaublich viel Spaß gemacht. Nichtdestotrotz gab es etwas, was mir gefehlt hat. Man arbeitet als Berater für den Kunden etwas aus und gibt an einem bestimmten Punkt ab. Was damit passiert, bleibt nur dem Kunden überlassen. Ich wollte mindestens einmal live erleben, wie es ist, ein Konzept selbständig umzusetzen, mit allen Konsequenzen, Tränen und Erfolgen, die dazu gehören.

Wie bewertest du deine Entscheidung jetzt?

Um ehrlich zu sein, habe ich mir alles viel einfacher vorgestellt. Aber ich bereue keine einzige Minute. Es ist eine Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte. Und wenn ich mich erneut entscheiden müsste, würde ich das genauso machen. Es ist eine große Herausforderung, Gründer zu sein. Das eigene Leben wird auf den Kopf gestellt. Man kann das mit der Geburt eines Kindes vergleichen. Die Lebenseinstellung und Werte ändern sich, man muss auf viele Sachen verzichten, man lernt, Zeit zu schätzen und noch effizienter zu nutzen, man wird abgehärtet, man muss mit vielen Enttäuschungen rechnen, aber das gehört alles dazu.

Was war die größte Herausforderung bei der Gründung und wie hast du sie gemeistert?

In Gesprächen mit Investoren wird häufig die Frage gestellt was wichtiger für ein Start-up ist, das Geschäftsmodell oder das Team. Ich denke das Team ist das A und O. Und ein gutes Team zu finden und zusammen zu halten ist eine der größten Herausforderungen. Wie geht man also bei der Suche vor? Natürlich nutzt man erst einmal das eigene Netzwerk und hört sich im Bekanntenkreis um. Ich kenne sehr viele großartige Menschen, nur die Selbständigkeit und das Arbeiten für ein Start-up ist nicht jedermanns Sache. Nicht jeder ist bereit eine tolle Position in einem Konzern oder einer renommierten strategischen Beratung aufzugeben, um sich auf das Abenteuer „Gründung“ einzulassen. Man muss letztendlich die Augen ganz weit aufhalten, viel netzwerken. Auf diese Weise habe ich ausgezeichnete Leute kennengelernt und für BESPACED gewonnen. Jetzt habe ich ein sehr starkes und motiviertes Team. Das hat aber seine Zeit gedauert.

In welcher Phase seid ihr? Was ist da wichtig und welche Aktivitäten stehen gerade an?

Wir sind gerade in der Closed-Beta-Phase und gehen Anfang November in die Open-Beta. Wir haben uns sehr viele Gedanken zum Thema Design, Usability und Services gemacht, viel getestet und nach dem Launch werden wir die tatsächlichen Ergebnisse sehen. Man launcht nur einmal und alles muss gut vorbereitet sein. Aktuell werden letzte Tests gefahren und Bug Fixes eingespielt. Wir starten gleichzeitig in Düsseldorf, Kopenhagen und Amsterdam mit circa 500 Locations. Es müssen also auch PR-Kampagnen für drei Länder vorbereitet und die potentiellen Nutzer aktiviert werden. Dabei legen wir viel Wert darauf, dass wir den Kunden unser Produkt persönlich erklären. Wir treten direkt an die Unternehmen heran und stellen unsere Services vor. Im November ist die Seed-Finanzierungsrunde geplant. Zurzeit werden die letzten Verhandlungen geführt.

Was sind die Zukunftspläne bei BESPACED?

Wir haben viel vor. Nach dem Launch wollen wir weitere Großstädte in Deutschland, in den Niederlanden und in anderen europäischen Ländern erschließen. Wir müssen schnell sein, aber trotzdem das Niveau unseres Services weiterhin hoch halten. Und wir glauben fest daran, schon bald erfolgreich zu sein. Und eines Tages das Airbnb in unserem Segment zu werden.

Was war die schwierigste Entscheidung, die du beim Aufbau von BESPACED treffen musstet?

Als Gründer gibt es viele wichtige strategische Entscheidungen zu treffen und es ist schwierig da eine hervorzuheben. In der Gründungszeit habe ich gelernt, schnell Entscheidungen zu treffen. Überlegt, aber ohne Zeit zu verlieren.

Was macht dir am meisten Freude an deiner Arbeit?

Am meisten freut es mich, wenn ich sehe wie gut unsere Idee bei potentiellen Kunden ankommt. Sie finden die Idee innovativ, frisch, erkennen sofort den Nutzen, wollen direkt loslegen und ausprobieren.

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Tatiana, vielen Dank erst mal bis hierhin. Es ist beeindruckend was du mit deinem Team auf die Beine stellst und ihr habt ein wahnsinnig gutes Produkt. Ich wünsche dir viel Erfolg!

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StartupTrend – Von Gründern für Gründer!

Das Interview wurde geführt am 7. Oktober, 2016, in Düsseldorf.

Fotos und Bildbearbeitung: Era Reiss

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