Jeder will eines, kaum Einer hat eines: Ein „Startup“

Der Begriff ist trendy und mittlerweile in aller Munde, aber nicht jedes neu gegründete Unternehmen ist ein Startup. Eine eindeutige Definition gibt es allerdings nicht. Was also ist ein Startup?

Meines Erachtens gibt es drei Kriterien, die erfüllt sein müssen:

  • Ein hoher Innovationsfaktor
  • Ein skalierbares Geschäftsmodell mit hohem Wachstumspotential
  • Schnelles Wachstum

Innovation bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Geschäftsidee ein Problem oder einen Bedarf auf eine bisher nicht dagewesene Weise löst. Das kann etwa durch eine neue Technologie, eine neue Dienstleistung oder auch eine neuartige Kombination von Vorhandenem geschehen. In manchen Fällen ist der Markt für das Produkt oder die Dienstleistung auch noch gar nicht vorhanden, das sind dann die wirklich visionären Vorhaben, die natürlich auch sehr risikobehaftet sind.

Skalierbarkeit ist gegeben, wenn sich der Umsatz im Verhältnis zu den eingesetzten Ressourcen überproportional schnell steigern lässt. Das ist beispielsweise bei einer einer automatisierten Dienstleistung oder Software der Fall. Die Produktion von Hardware lässt sich auch skalieren, allerdings werden hier lediglich Skaleneffekte (Economies of Scale) erreicht. Skalierbarkeit in Sinne eines Startups hingegen ermöglicht exponentielles Wachstum.

Schnelles Wachstum erklärt sich von selber. Ein Unternehmen, welches die ersten beiden Kriterien erfüllt, aber nicht schnell wächst, macht etwas falsch. Vielleicht fehlt das Kapital um schnelles Wachstum zu finanzieren, vielleicht benötigt aber auch niemand das Produkt oder die Dienstleistung. Letzteres ist sicherlich der tragischere Fall, der laut Wikipedia bei etwa 42 % der gescheiterten Startups der Hauptgrund fürs Scheitern ist.

Darüber hinaus werden einige weitere Merkmale diskutiert:

  • Es soll sich um ein junges Unternehmen handeln. Im Deutschen Startup-Monitor, wird die Grenze bei 10 Jahren gezogen. Der Bundesverband Deutsche Startups e.V. setzt die Grenze bei 5 Jahren. Ist das Unternehmen älter, so fällt es aus dem Raster und wird nicht mehr als Startup gesehen. Ich finde es allerdings schwierig hier eine harte Grenze zu ziehen und bevorzuge schnelles Wachstum als Kriterium.
  • Das Unternehmen soll sich in einer frühen Phase, also in der Gründungs- oder Wachstumsphase befinden. Ist es bereits in der Reifephase, so wird es als etabliertes Unternehmen gesehen. Die Frage ist natürlich, wann fängt die Reifephase an? Nun ja, dazu muss man sich wohl die Umsatzkurve des jeweiligen Unternehmens anschauen. Der Zeitpunkt ab dem der Umsatz weniger schnell wächst als zuvor, kann dann als Phasenabgrenzung definiert werden.
  • Das Unternehmen verfügt über wenig Kapital und nutzt als Finanzierungsquellen Seed Capital, Business Angels und Venture Capital. Meine Meinung: Es geht auch anders, zum Beispiel über Bootstrapping und das Reinvestieren von Einnahmen. Gerade die Geschäftsmodelle, die wenig Investition benötigen und schnell Einnahmen generieren, sind die attraktivsten und natürlich auch die risikoärmsten.
  • Das Unternehmen agiert im Technologiesektor. Da aber der Begriff Technologie an sich gar nicht klar definiert ist, ist auch dieses Merkmal nur als ein Hinweis zu verstehen.
  • Zu guter Letzt letzt soll noch ein detaillierter Business Plan vorhanden sein. Jedoch ist gerade bei innovativen Geschäftsideen eine detaillierte Vorhersage der Umsatzzahlen reinste Spekulation. Mittlerweile hat sich in der Startup-Szene stattdessen das Business Model Canvas durchgesetzt und in Präsentationen, beispielsweise für Investoren, beschränkt man sich meist auf eine Abschätzung des Marktvolumens und anvisierte Marktanteile.

Fazit:

Nicht überall wo Startup draufsteht ist auch Startup drin. Man muss auch nicht immer dem letzten Trend hinterherlaufen. Konventionelle Geschäftsmodelle sind meist mit weniger Risiko behaftet und planbarer, dafür natürlich nicht ganz so spannend. Ist man allerdings auf der Suche nach Investoren oder Business Angels, so ist es eine Überlegung wert die Begriffsdefinition etwas weiter zu fassen, denn „Startup“ suggeriert einen schnellen und hohen Return on Investment.

Wie definierst du den Begriff Startup? Hinterlasse einfach unten einen Kommentar, ich würde mich freuen auf dein Feedback einzugehen.

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